Es ist ja schon länger her, dass unser Kino und das Fernsehen in Farbe zu sehen ist. Genau genommen habe ich nur noch einen Sender in meinem Leben erlebt, der überhaupt schwarz-weiß war: Das DDR-Fernsehen. Es mutet ja auch hinterwäldlerisch an über "schwarz-weiß"-Filme zu reden, in Zeiten wo die zwei magisches Buchstaben ("HD") unsere Medienlandschaft beflügeln. Aber - geht das nur mir so? - ich habe neuerdings das Gefühl, dass "schwarz-weiß" zumindest in einer Hinsicht eine echte Renaissance erlebt, nämlich inhaltlich.
Da wollte ich letztens einen schönen Kinoabend mit meiner Frau erleben und suche also auf cinestar.de nach der passenden Abendgestaltung. Wie geht man dabei am besten vor? Klar: Ich treffe anhand der Titel und Beschreibungen eine nähere Auswahl und schaue mir dann die Trailer an, um mich letztlich für einen Film zu entscheiden. Zu berücksichtigen ist auch unbedingt, dass sich meine Frau schon bei einigen Szenen in Filmen wie "Harry Potter" die Augen zuhalten muss, weil sie Gewalt in Filmen hasst.
Meine Wahl war diesmal eindeutig. War ich schon durch Rezessionen rund um den Titelsong von Mika auf Bremen Vier neugierig geworden, so überzeugte mich der Trailer dann endgültig. "KickAss" muss eine super-lustige Komödie rund um den Superhelden-Kult bei Teenagern sein - so dachte ich. Gewalt? - Fehlanzeige, laut Trailer, der die FSK "0" hatte. (Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich die FSK-Angabe "16" direkt unter der Filmbeschreibung übersah.)
Was soll ich sagen? Wer den Film gesehen hat, der kann sich vorstellen, was für ein "toller" Kinoabend das wurde. Wer den Film nicht kennt, dem sei gesagt, dass man sich - vom Gewaltgehalt her - einen gleichwertigen Abend machen kann, in dem man anfängt, sich Nägel in Arme und Beine zu hämmern. Ich weiß immer nicht genau, wen es eigentlich auf dieser Welt anspricht, zu sehen, wie ein Mensch in einer übergroßen Mikrowelle zerplatzt oder wer darauf Wert legt im Detail die Wirkung eines Baseball-Schlägers auf den menschlichen Schädel zu sehen. Ich bin es jedenfalls nicht. Und meine Frau erst recht nicht.
Zuhause habe ich mir den Trailer dann noch ein paar Male angesehen, weil ich nach irgendeiner Übereinstimmung mit dem Film suchte. Es waren wohl Szenen aus dem Film, aber geschickt geschnitten und so zusammen gesetzt, dass vom Eindruck her etwas völlig Anderes entstand.
Inhaltlich geht es in dem Film übrigens fast ausschließlich um Rache. Dabei dürfen die "Guten" nach Herzenslust morden und man will sie dabei quasi noch anfeuern (wenn man sich emotional darauf einlässt). Die Bösen tun eigentlich das Gleiche wie die Guten, nur haben sie angefangen und tun es aus "bösen Motiven". Eben "schwarz-weiß". Konsequenter Weise hätte man diesen Film dann auch farblich so verfilmen können.
Ich werde nun noch vorsichtiger bei der Filmwahl sein und die FSK bei Trailern mit den Filmen vergleichen, bevor ich mir eine Meinung bilde. Kino habe ich erstmal satt - und Hollywood eigentlich schon lange. Ich gucke lieber in Farbe.